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Arbeitnehmerveranlagung - Steuerausgleich

Die wichtigsten Fragen zur Arbeitnehmerveranlagung: Wie reduzieren Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen Ihre Steuerlast? Wie lange können Sie so genannte Topf-Sonderausgaben noch absetzen? Und in welchen Fällen wird die Arbeitnehmerveranlagung automatisch durchgeführt?


Mit der Arbeitnehmerveranlagung können Sie auf eine Steuerrückzahlung hoffen, die im Einzelfall mehrere hundert Euro betragen kann. Auch Niedrigverdiener, die gar keine Steuer zahlen, profitieren über die "Negativsteuer" (Rückerstattung von Sozialversicherungsbeiträgen).

 

Lassen Sie das Finanzamt nicht warten.

  • Für Ihre Arbeitnehmerveranlagung haben Sie im Prinzip fünf Jahre Zeit – mit Ihrem Antrag für 2016 könnten Sie sich also bis Ende Dezember 2021 Zeit nehmen. In zeitlich umgekehrter Richtung heißt das: Sie können heuer noch ihre Arbeitnehmerveranlagungen bis ins Jahr 2012 nachholen, falls Sie bisher keine abgegeben haben. Generell gilt: Je schneller Sie die Arbeitnehmerveranlagung machen, desto schneller haben Sie auch die Steuergutschrift auf Ihrem Konto.
  • Eine so genannte Pflichtveranlagung (Steuererklärung ohne Aufforderung durch das Finanzamt) muss dagegen jedenfalls im Folgejahr erfolgen. Eine verpflichtende Veranlagung ist etwa dann durchzuführen, wenn Sie neben lohnsteuerpflichtigen Einkünften auch andere Einkünfte hatten, die insgesamt mehr als 730 Euro ausgemacht haben. Eine Pflichtveranlagung ist auch dann fällig, wenn bei der laufenden Lohnverrechnung z.B. Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag zu Unrecht berücksichtigt wurden bzw. Sie etwa ein Pendlerpauschale bezogen haben, das Ihnen entweder gar nicht oder nur in geringerer Höhe zugestanden wäre. Abhängig vom Grund für die Pflichtveranlagung gibt es dafür unterschiedliche Fristen: entweder ist die Pflichtveranlagung bis zum 30. April (online bis zum 30. Juni) oder bis zum 30. September durchzuführen. Erkundigen Sie sich sicherheitshalber diesbezüglich bei Ihrem Steuerberater oder bei einem Finanzamt.
  • "Automatischer Steuerausgleich": Ab heuer gibt es eine so genannte antraglose Arbeitnehmerveranlagung. Auch jene, die darauf vergessen oder vor einer Arbeitnehmerveranlagung aus welchen Gründen auch immer zurückscheuen, bekommen zu viel bezahlte Lohnsteuer vom Finanzamt zurückerstattet. Voraussetzung ist, dass sich aus den Lohnzetteln ergibt, dass Sie eine Steuergutschrift erwarten können und dass Sie bis Ende Juni nicht selbst einen Antrag zur Arbeitnehmerveranlagung gestellt haben. Geringverdiener bekommen die Negativsteuer automatisch ausgezahlt.

Sind Sonderausgaben noch absetzbar?

Zu den Sonderausgaben, die die Steuerbemessungsgrundlage reduzieren, zählen unter anderem personenbezogene Versicherungen, Raten für Wohnbaudarlehen oder etwa auch Kirchenbeiträge (bis zu 400 Euro jährlich). Sonderausgaben sind teils in unbeschränkter Höhe, teils in begrenztem Umfang absetzbar: dann spricht man von Topf-Sonderausgaben. Zu diesen Topf-Sonderausgaben zählen im Wesentlichen Versicherungsprämien oder Ausgaben zur Wohnraumschaffung oder Sanierung. Die Topf-Sonderausgaben sind zwar als Folge der vorjährigen Steuerreform ausgelaufen. Für Verträge oder Darlehen, die noch vor dem Jahreswechsel 2015 abgeschlossen worden sind, können Sie diese Zahlungen aber noch bis zum Jahr 2020 von der Steuer absetzen.

Denken Sie an die Werbungskosten.

Ein Werbekostenpauschale von 132 Euro jährlich wird automatisch bei der Lohnauszahlung berücksichtigt. Weitere Ausgaben wirken sich also nur dann aus, wenn diese mehr als 132 Euro betragen. Zu den häufigsten Werbungskosten zählen laut Finanzministerium Arbeitskleidung, Arbeitsmittel und Werkzeuge, Arbeitszimmer, Aus- und Fortbildung, Umschulung, Betriebsratsumlage, Computer, doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten, Fachliteratur, Fahrrad, Fahrtkosten, Internet, Kraftfahrzeug, Reisekosten, Sprachkurse, Studienreisen, Telefon und Handy. Voraussetzung ist naturgemäß, dass die betreffenden Ausgaben von Ihnen getätigt wurden und nicht Ihr Dienstgeber dafür gezahlt hat. Die Ausgaben müssen beruflich veranlasst sein und in unmittelbarem Zusammenhang mit Ihrer nichtselbstständigen Tätigkeit stehen.

Übrigens: Die Ausgaben für ein in der Privatwohnung eingerichtetes Arbeitszimmer können in der Regel nicht von der Steuer abgesetzt werden. Dies ist nur dann möglich, wenn dieses Arbeitszimmer tatsächlich ausschließlich als Arbeitszimmer genutzt wird und Sie darüber hinaus keinen anderen Arbeitsplatz haben.

Berücksichtigen Sie außergewöhnliche Belastungen.

Als außergewöhnliche Belastung gelten Ausgaben, wenn "sie außergewöhnlich sind, zwangsläufig erwachsen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen" (Quelle: Steuerbuch BMF 2017). Unterschieden wird zwischen außergewöhnlichen Belastungen mit Selbstbehalt, bei denen ein gewisser Prozentsatz des jährlichen Einkommens als zumutbar angesehen wird. Dazu zählen etwa Krankheitskosten bzw. unter bestimmten Voraussetzungen Kurkosten. Keinen Selbstbehalt gibt es etwa bei Katastrophenschäden oder Kinderbetreuungskosten (bis 2.300 Euro jährlich).

Spezialfragen bei Ihren steuerlichen Angelegenheiten besprechen Sie jedenfalls mit Ihrem Steuerberater. Umfangreiche Informationen zur Arbeitnehmerveranlagung sind im Steuerbuch 2017 des Finanzministeriums enthalten. Von Ihrem Raiffeisenberater erfahren Sie, welche Veranlagungs- und Vorsorgeprodukte welche steuerlichen Möglichkeiten bieten.

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